Scharfe Kante beim Anschlagen – Ursachen, Risiken und Lösungen
Beim Heben von Lasten mit Anschlagmitteln – etwa Hebebändern, Rundschlingen, Draht- oder Faserseilen sowie Ketten – stellt die sogenannte scharfe Kante ein häufig unterschätztes Risiko dar. Gemeint sind Kanten an der Last, die einen so kleinen Radius haben bzw. scharf ausgeprägt sind, dass sie Anschlagmittel beschädigen oder zerstören können. Trotz klarer Regelwerke gehört dieses Problem weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Anschlagmittel-Schäden und die daraus entstehenden Unfälle. In der Vergangenheit kam es dadurch immer wieder zu schweren Zwischenfällen, einschließlich abstürzender Lasten mit tödlichem Ausgang.
Dieser Beitrag erläutert, was in der Hebetechnik genau unter einer scharfen Kante zu verstehen ist, warum sie erhebliche Gefahren birgt, welche gesetzlichen und normativen Vorgaben dabei zu beachten sind und welche Schutzmaßnahmen zur Verfügung stehen. Außerdem zeigen wir praxisnahe Lösungen für verschiedene Branchen – vom Bauwesen über die Logistik bis zur Industrie – um sichere Hebevorgänge trotz scharfkantiger Lasten zuverlässig zu gewährleisten.
Defintion
Was ist eine „scharfe Kante“ beim Anschlagen?
In der Hebetechnik spricht man von einer scharfen Kante, wenn der Radius einer Lastkante kleiner ist als die Dicke des Hebebandes, die Nenndicke der Rundstahlkette oder der Durchmesser des Seiles.
Diese technische Definition wird durch verschiedene Vorschriften bestätigt. Die DGUV-Regel „Betreiben von Lastaufnahmeeinrichtungen und Anschlagmitteln“ (DGUV Regel 109-017) legt ausdrücklich fest, dass Kanten als scharf gelten, wenn der Kantenradius kleiner ist als der Durchmesser des Seils, die Dicke des Hebebands oder die Nenndicke der Kette. Auch relevante Normen – etwa DIN EN 1492 für textile Anschlagmittel – definieren eine scharfe Kante als Radius ≤ Materialdicke.
Dadurch wird klar: Schon sehr kleine Radien können ein erhebliches Risiko für die Integrität des Anschlagmittels darstellen.
Ein Beispiel verdeutlicht dies:
Weist ein Stahlträger an der Ecke lediglich einen Radius von 2mm auf, während ein Hebeband 5mm dick ist, wird dieser Bereich zwingend als scharfe Kante eingestuft – und das Anschlagmittel ist erheblich gefährdet.
Abweichende Geometrie
Neben rechtwinkligen Kanten gibt es auch Lasten mit abweichender Geometrie, etwa überstehende Grate, spitze oder gezackte Außenkonturen. Solche Formen lassen sich mit den üblichen Beurteilungsregeln nicht eindeutig erfassen. Die geeignete Maßnahme ist daher die Vergrößerung des Umlenkradius, zum Beispiel durch den Einsatz von secuwave oder NoCut.
Struktur
Sehr raue Oberflächen, wie sie etwa bei Betonfertigteilen vorkommen, können textile Anschlagmittel oder Drahtseile bereits durch geringste Bewegungen und Setzvorgänge beschädigen. Die passende Maßnahme besteht darin, Bewegungen an der Kontaktkante zu vermeiden – beispielsweise durch den Einsatz von Schnittschutzschläuchen.
Praxis-Tipp!
Vor jedem Hebevorgang sollte ein kurzer Kanten-Check erfolgen. Tasten Sie die Auflagekanten der Last vorsichtig mit geschützten Händen ab, um festzustellen, ob sie scharf, rau oder beschädigt sind. Wird dabei eine potenzielle Gefährdung erkannt, ist ein geeigneter Kantenschutz erforderlich. So bleiben Ihre Anschlagmittel länger funktionsfähig und die Sicherheit beim Heben wird deutlich erhöht. Da nicht jede Kante ertastbar ist, sollte bereits bei der Konstruktion von Bauteilen in den dazugehörigen Zeichnungen auf scharfe Kanten hingewiesen werden.
Praxis-Tipp!
Vor jedem Hebevorgang sollte ein kurzer Kanten-Check erfolgen. Tasten Sie die Auflagekanten der Last vorsichtig mit geschützten Händen ab, um festzustellen, ob sie scharf, rau oder beschädigt sind. Wird dabei eine potenzielle Gefährdung erkannt, ist ein geeigneter Kantenschutz erforderlich. So bleiben Ihre Anschlagmittel länger funktionsfähig und die Sicherheit beim Heben wird deutlich erhöht
Warum sind scharfe Kanten beim Anschlagen ein Problem?
Scharfe Kanten gehören zu den gefährlichsten Einflussfaktoren beim Anschlagen von Lasten, da sie Anschlagmittel erheblich schwächen oder komplett zerstören können. Liegt ein Hebeband, ein Seil oder eine Rundschlinge unter Zug über einer ausgeprägten Kante, konzentriert sich die gesamte Belastung auf eine minimal kleine Kontaktzone. Die dort entstehenden Kräfte können das Material einschneiden, aufscheuern oder durchtrennen, selbst wenn das Anschlagmittel nominell ausreichend dimensioniert ist.
Besonders brisant wird die Situation, sobald Bewegung zwischen Last und Anschlagmittel entsteht. Schon geringe seitliche Verschiebungen führen dazu, dass die Kante eine regelrechte Schneidwirkung entfaltet. Kommt es zu Relativbewegungen quer zum Anschlagmittel, entsteht ein messerscharfer Effekt, der ein ungeschütztes Anschlagmittel im schlimmsten Fall wie eine Klinge durchschneiden kann.
Von Gurtbeschädigung bis Lastabsturz
Gefahren durch scharfe Kanten
Beschädigung / Abriss des Anschlagmittels: Scharfe Kanten können textile und metallische Anschlagmittel schnell einschneiden oder durchtrennen – oft bereits beim ersten Hub.
Absturz der Last: Reißt ein Anschlagmittel, fällt die Last unkontrolliert zu Boden – mit hohem Risiko für schwere oder tödliche Unfälle sowie massiven Sachschäden.
Gefahr für Personen & Anlagen: Beschädigte Anschlagmittel führen zu rutschenden oder pendelnden Lasten; dadurch steigen Verletzungsgefahr und mögliche Materialschäden erheblich.
Verkürzte Lebensdauer: Wiederholte Belastung über Kanten verursacht bleibende Schäden und macht Anschlagmittel schneller unbrauchbar.
Die Lösung
Unsere Kantenschutzprodukte für Ihren Schutz
Kantenschoner
Kantenschoner, auch Kantenschutzwinkel genannt, dienen als Schutzlagen auf scharfen Kanten, damit das Anschlagmittel nicht direkt darüber läuft. Sie bestehen meist aus hartem Kunststoff, Gummi oder Metall und besitzen eine Rundung, über die das Mittel sicher geführt wird. Wichtig ist eine stabile, korrekt platzierte Ausführung, die unter Last nicht verrutscht oder bricht. So lässt sich der wirksame Kantenradius vergrößern und die Belastung deutlich reduzieren.
Secutex- und Powerflex-beschichtete Hebebänder
Secutex-beschichtete Hebebänder schmiegen sich flexibel an scharfe Kanten an und verhindern dank der hohen Schnittfestigkeit des Materials zuverlässig ein Einschneiden. Bei sehr kritischen Kanten sind sie besonders geeignet, da die gute Haftung Bewegungen an der Kante verhindert. Je nach Bedarf stehen einseitige oder zweiseitige Festbeschichtungen zur Verfügung, die das Gewebe schützen und mehr Sicherheit bieten. Die hohe Reibung erleichtert zudem das Anschlagen langer Stahlprofile, da ein unkontrolliertes Verrutschen vermieden wird.
Secutex- Schutzschläuche
Secutex Schutzschläuche bieten optimalen Kantenschutz und sind exakt auf textile Hebebänder sowie Rundschlingen von SpanSet abgestimmt. Das Anschlagmittel bleibt dabei im Schlauch frei beweglich, während die Last sich sicher in der weichen Oberfläche verhakt: so bleibt das Anschlagmittel geschützt und die Last stabil. Der Schutzschlauch wird exakt auf die Arbeitslänge des Hebebands und den betreffenden Einsatzbereich abgestimmt — wahlweise über die gesamte Länge oder auch nur partiell. Ebenso schützen Sie bei Rundschlingen gezielt Einzel- oder Doppelstrang. Verfügbar sind die Varianten: einseitig, beidseitig, als Clip sowie in Sonderausführungen mit innovativer Wellenstruktur oder veloxClip.
SpanSet NoCut® Schnittschutz
NoCut® ist ein innovativer Hightech-Schnittschutz aus HMPE-Hochleistungsfasern. Das System eignet sich hervorragend zum Schutz textiler Anschlagmittel wie Hebebänder und Rundschlingen, insbesondere vor Schäden durch scharfe Kanten. Durch sein geringes Eigengewicht und die kompakte, biegeweiche Bauform lässt sich NoCut® ergonomisch handhaben und auch bei engem Platz leicht positionieren. NoCut® gibt es in den Ausführungen:
- Sleeve: Ein flexibler Schutzschlauch, der über das Anschlagmittel gezogen wird und rundum Schnitt- und Abriebschutz bietet.
- Wrap: Eine umwickelbare Schutzmanschette mit Klettverschluss, die flexibel um das Anschlagmittel gelegt wird für schnellen Schutz an Kanten.
- Pad: Mehrlagig, zur freien Positionierung auf Rundschlingen und Hebebändern. Klettband oder Steckschnallen verhindern das nachträgliche Verrutschen.
- Bumper: Eine Kombination aus Sleeve mit zusätzlichen Innenlagen zur Radienvergrößerung, speziell für schwer zugängliche Kantenpunkte.
Häufig gestellte Fragen
Unser FAQ
Was ist eine scharfe Kante beim Anschlagen?
Eine Kante gilt als scharf, wenn ihr Radius kleiner ist als der Durchmesser bzw. die Dicke des verwendeten Anschlagmittels. Dadurch entsteht an der Kontaktstelle eine hohe Belastung, die das Anschlagmittel beschädigen kann.

Warum sind scharfe Kanten gefährlich?
Scharfe oder sehr kleine Radien können Anschlagmittel einschneiden, aufscheuern oder sogar durchtrennen. Besonders gefährlich wird es, wenn Bewegung zwischen Last und Anschlagmittel entsteht – dann wirkt die Kante wie eine Schneide.
Welche Normen und Richtlinien gelten?
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Verbot des Anschlagens über scharfe Kanten (DGUV Regel 109-017):
Seile, Ketten und Hebebänder dürfen nicht ungeschützt über scharfe Kanten geführt werden.
Ausnahme bei Ketten: nur unter bestimmten Bedingungen (z. B. max. 80 % Auslastung).
-
Pflicht zum Kantenschutz (DGUV Information 209-013):
Alle Kontaktstellen – auch oben – müssen gegen scharfe Kanten geschützt werden.
Textilschlingen benötigen zwingend Schutzmaßnahmen (z. B. Kantenschoner, Schutzschlauch).
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Normen DIN EN 1492-1/2 & EN 12195:
Textile Anschlagmittel müssen gegen Kanten, Reibung und Abrieb geschützt werden.
Schutzmittel wie abriebfeste Schläuche, Kantenschutzwinkel oder Beschichtungen sind erforderlich.
-
Gefährdungsbeurteilung (DGUV Vorschrift 1 & BetrSichV):
Arbeitgeber müssen Risiken durch scharfe Kanten in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen.
Es besteht eine Pflicht, Schutzmaßnahmen (z. B. geeignete Schutzmaterialien, Unterweisungen) zu ergreifen.
Welche Schutzmaßnahmen gibt es?
Typische Lösungen sind Kantenschoner, Schutzschläuche, spezielle schnittfeste Beschichtungen sowie das Vergrößern des Umlenkradius. Ziel ist immer, das Anschlagmittel von der direkten Kontaktkante fernzuhalten.
Was tun, wenn der Kantenradius extrem klein oder die Oberfläche sehr rau ist?
Standard-Anschlagmittel reichen dann oft nicht aus. Es müssen verstärkte oder speziell beschichtete Anschlagmittel sowie zusätzliche Schutzsysteme eingesetzt werden, um Schäden oder Lastabsturz zu verhindern.